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Montag, 20. Mai 2013

Glycerinseife Kochen Versuch Nr.1

Glycerinseifen sind diese coolen klaren Seifen, die man im Bastelladen auch fürs Seifengießen kaufen kann. Mit sanfter Färbung bekommt man auch bunte klare Seifen. Und da jeder Seifenhersteller irgendwann auch mal etwas Schickes herstellen will, tauchen diese Seifen auf mancher Herstellers Seifen auf.

Nun war ich im Bastelladen und sah die horrenden Preise für die kleinen Blöcke und die Zutatenlisten, die nicht gerade klein waren - und ich konnte mir auch nicht unbedingt erklären, ob da jetzt auch tierische Zutaten drin sind oder nicht. Das möchte ich in meinen Seifen nämlich nicht haben.

Also: Selbst ist die Frau!
Ich habe mir eine Anleitung für vegane Glycerinseife gesucht und losgekocht.
Dies ist die Anleitung, entwickelt von Chemielehrern

Gekauft habe ich dafür Glycerin, Rizinusöl, Natriumhydroxid und Farbe bei behawe. Die Farbe "Dragocolor grünblau" ist extra für Glycerinseifen gedacht.

Mein Seifenplan war dieser:


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Sieht nicht aus wie ein Seifenplan? Nee, das ist ein Screenshot von Minecraft. Die hellblauen Dinger sind Diamanten, die noch im Stein drin sind, kurz bevor ich die rausgehackt habe. Diamanten sind immer das Größe für mich, wenn ich die finde, bin ich glücklich. Dummerweise findet man die immer nur ganz unten in den Gesteinsschichten, oben an der Oberfläche ists aber irgendwie spannender.

Meine Seife sollte eine Minecraft Diamantenseife werden.


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Hauptsächlich soll graue Seife als Steinsschicht vorherrschen (habe weiß und schwarz als Farben gekauft), in der unteren Schicht sollen die Diamanten sitzen und ganz zu oberst soll eine grüne Grasschicht kommen.

Das heißt, erst einmal muss ich die Diamanten herstellen, damit ich zur Minecraftseife kommen kann. Und die sollen möglichst transparent funkeln.

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Da ich zu Hause keine anständige Waage und keine coolen Gefäße habe, habe ich das im Labor gemacht.


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Der große Vorteil im Labor sind auch die Magnetrührplatten. Man kann damit stundenlang etwas rühren lassen, ohne aktiv dabei sein zu müssen. Gerade für Laugen ist das gut, aber vor allem auch für die gesättige Zuckerlösung, denn die dauerte echt ewig und es ging immer mehr und mehr Zucker rein.


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So ganz sorglos ist das dann aber auch nicht. In jeder Seifenanleitung steht "Vorsicht, die Lauge wird heiß und spritzt!". Das habe ich bisher noch nie beobachten können, diesmal aber eben doch. Und es ist erst passiert, als ich weg war und der Abzugschieber unten. Danach durfte ich den gesamten Abzug putzen, weil überall Laugespritzer verteilt waren.


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Drei Nachkommastellen, ist das nicht mega cool? Hier türmt sich mein Palmin, das ich im Büro zuschnitt und dann damit ins Labor ging. Ich mag nicht ausschließen, dass ich es noch einmal fürs Essen verwenden möchte, deswegen die Umstände. Essen kommt nicht ins Labor, das steht nicht nur in der Ordnung so, das lebe ich auch aktiv. ... bis auf Essen, von dem noch Reste in meinem geschlossenen Mund sind und die ich nur noch kauen und schlucken muss ;) Aber das kommt so gut wie nie vor.


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Meine Farbstoffe kamen in diesen unpraktischen Beuteln und die füllte ich dann erst einmal um. Ich brauchte aber nur zwei von den großen Gläsern, schwarz und weiß habe ich nicht umgefüllt. In die Gläser gehen nur 10g und ich hatte schon genug herumgesaut. Die Farbspuren sieht man heute noch, wenn man weiß, dass sie es sind. Ansonsten hält man sie für Ätzflecken in der Arbeitsfläche.


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Nachdem alles vorbereitet war, habe ich mir ein lauschiges Plätzchen im leeren Anfängerlabor ergaunert. Mein Abzug ist einfach zu sehr zugestellt und nachdem ich mit der Lauge so herumgesaut hatte, wollte ich nicht auch noch überall schwer wegputzbare Farbflecken riskieren.


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Glycerin, Zuckerlösung, Lauge, Ethanol, Kontaktspray und die Fette schon im Kochtopf. Der Kochtopf ist kaputt, der Boden hat sich etwas vom inneren Kochfeld gelöst und kommt so nicht mehr richtig auf Siedetemperatur. Aber für Seife reichts noch, daher habe ich ihn nicht entsorgt. Durch den Kochtopf kann der Magnetrührer wahrscheinlich nicht rühren, diesmal rühre ich per Hand mit einem Glasstab. Zusätzlich habe ich noch einen Temperaturfühler, der mit der Heiztechnik der Kochplatte verbunden ist, sehr praktisch.


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Hier sind Fette und Lauge vereinigt und es bildet sich der erste Seifenschaum. Ich war noch guter Dinge.

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Dann kamen Ethanol und Glycerin hinzu. Danach Far- und Duftstoffe. Und dann sah es so aus. Der Farbstoff lag gelangweilt am Topfboden und ließ sich auch durch hektisches Rühren und Kochen nicht dazu bewegen, mal seinen Job zu machen. Verzweifelung!


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Worin löst sich der Farbstoff? Ich probierte durch und fand heraus: Wasser. Es war eine Menge Wasser in der Seifenpampe, aber der Farbstoff lachte mich dennoch aus. Hier sehen wir nur Wasser und Farbstoff.


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Also spritzte ich eine Menge weiteres Wasser in die Seifenpampe. Mein ursprünglicher Einfall war, die Klumpen einfach abzufiltrieren, aber die Seife erstarrt am kalten Filterpapier und wenn man sie mit dem Föhn heiß durchföhnen möchte, verliert sie Ethanol und zerfällt zu einem sandigen Zeug. Der Farbstoff MUSS also in Lösung! Ich habe das Wasser dann eine Weile abkochen lassen, was natürlich auch zum Verlust des Ethanols führte. Das habe ich später pi mal Daumen wieder hinzu gefügt. Ab diesem Zeitpunkt war das Rezept natürlich nicht mehr einhaltbar. Ich wusste ja nicht, wie viel Wasser und Ethanol ich noch hatte.


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Die Soße, die ich dann in die Form goss (die mich auch noch auslachte, indem sie sich unter der Hitze verzog), war sehr dunkel geworden, nahezu schwarz mit einem hellen Schaum. Aber diese transparente Wurst oben drauf ließ mich dennoch hoffen.


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Es ließ sich lange nicht alle Seife aus den Gefäßen in die Schale kippen. Die vielen Reste aus den Geräten kratzte ich mit einem Messer heraus.

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Dabei kam immerhin dieser Haufen zustande. Die Ethanolspritzflasche (ganz rechts) liegt auch schon auf der Seite, ich war bereits sichtlich nieder geschlagen.


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Die gesammelten Werke wurden dann in einem Becherglas gesammelt, dazu kam etwas Ethanol und dann wurde der ganze Spaß geschmolzen und in die Sammelform zurück gegossen.


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Dabei entstand keine Schaumkrone, aber auch das war sehr dunkel.


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Die Ausgießnut jedoch zeigte einen transparenten... Ja also da war transparente Seife zu sehen. Ich hoffte also wieder darauf, dass die sehr dunkle Seife dann doch transparent war...


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... was sich jedoch am nächsten Tag nicht bestätigte. Die Seife war trübe! Aber nicht mehr so dunkel. Wobei dieses Bild ein bisschen zu hell ist.

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Dieses Bild entsprich eher der Wahrhheit. Die Seife lässt sich hervorragend schneiden und sie duftet wundervoll nach "Meeresbriese"-Duftstoff von behawe. Aber transparent ist sie leider nicht.


Wir sehen, es ist noch kein meister vom Himmel gefallen. Und nur weil jemand ne coole Waare und nen teuren Rührer benutzt, muss die Seife dadurch noch nicht gelungen werden. Der Farbstoff hat mich eindeutig in die Knie gezwungen, der hätte vielleicht in die Zuckerlösung eingerührt werden müssen.

Ich kann die Seife als oberste Grasschicht gebrauchen, aber nicht als Diamanten. Da ich aber noch was übrig habe, werde ich die Aktion mit dem Farbstoff in der richtigen Zutat noch einmal wiederholen.
Und ich muss eine Seife machen, die nur aus der Gesteinsschicht besteht, um das Verhältnis und die Haptik der Seife zu prüfen. Die wird dann eine Schwarzweißseife mit Vanille oder Vanillezitronenduft. Und am Ende führe ich dann alle drei Seifen- und Seifenrezepte zusammen und erschaffe meine Minecraftseife!


Der Abzug, den ich benutzt habe bei den Anfängern war hinterher übrigens noch nie so sauber und frisch duftend gewesen wie jetzt. Klar, überall waren Seifenflecken und beim wegwischen wirten sie schon waschaktiv.

Mal richtig Bilderspam muss auch sein ;) Ich hoffe, es war irgendwie interessant, auch wenn ich mich dumm angestellt habe.

Kommentare:

  1. Und wie das interessant war! Machst du jetzt einen Shop auf? (;
    Dein Ergebnis gefällt mir sehr, auch wenn ich das wohl nie nachmachen könnte.
    Und ich bin neidisch! Auf die Diamanten! Ich hatte noch nie das Glück in Minecraft welche zu finden .___. nur im Creative-mode. Mööp.

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    1. Auf Ebene 12 durch die Gegend craften ;) Auf Ebene 11 ist die Lava, du stoppst also automatisch, bevor das Unglück passiert. Die gesicherten Gebiete kannst du bis Ebene 5 runterbuddeln, dort finden sich auch noch Diamanten.

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  2. Sieht doch sehr interessant aus! Außerdem ist Minecraft-Seife ziemlich cool. Für Chemie hatte ich noch nie eine Begabung, also wäre mir vermutlich das Labor explodiert oder so (man weiß ja nie). Bin schon extrem gespannt auf den nächsten Versuch und drücke die Daumen!

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  3. Oh, ein bisschen Schleichwerbung für Sartorius um den Arbeitsplatz meines Schwiegerpapis zu festigen ;D Deswegen hab wir auch so ne coole Waage in der Küche stehen, sie war halt ausgemustert...
    Deine Seifengeschichte wird ja langsam aber sicher zu einer kleinen Odyssee. Aber du hast ja den Naturwissenschaftler-Geist in dir, irgendwann klappt das schon mit deiner Mindecraft-Diamanten-Seife! :)

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  4. XD klasse Bericht :) Ich liebe es, wirklich!! Mehr davon :) Und ich kann deine Frustration verstehen, ich wärs schon längst :) Abe rich mochte solche Experimente in der Schule immer, wobei die im Vergleich dazu ja nun wirklich winzigklein sein...

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  5. Waaa wie geil. Da denkt tatsächlich jemand an Minecraft beim Herstelllen von Seifen!
    Ich find das Ergebnis - Auch wenn es nicht transparent ist - Sehr schön!

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  6. Interessant? Auf jeden Fall! Ich beschränke meine Experimente ja auf die Küche (sprich nur essbares Zeug), aber finde es total spannend jemand anderem bei sowas "über die Schulter zu schauen". Und gerade bei deinen Versuchen juckt es mich manchmal schon in den Fingern sowas auch mal zu probieren, allerdings fürchte ich, dass ich einen Kopf kürzer gemacht werde, wenn ich hier im Labor anfange Seife herzustellen...
    Insofern werd ich wohl weiter deine Experimente verfolgen und hoffen dass es mit der transparenten Kristallfunkelseife noch klappt.
    :)

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    1. Ich hab das an einem Feiertag gemacht ^^ Hat keiner zuschauen können. Dafür braucht man allerdings den Sonntagsschlüssel fürs Labor, sowas bekommt ja auch nicht jeder.
      Ich glaube, wenn alle da sind, darf ich das auch nicht machen, vor allem nicht, wenn ich den Anfängern ihre Abzüge klau ;)

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